There's a 29 minutes interview with Sun Ra (Detroit TV, 1981) at http://www.dangerousminds.net/comments/sun_ra_on_detroit_tv_1981/

Pressetext von A&M RECORDS (1989)

Überbordend und eklektisch, manchmal mystisch, aber immer inspiriert von einem kraftvollen und selbstbewussten Gefühl für Jazz, hat die Musik Sun Ras Skeptikern und Widersachern seit beinahe drei Generationen standgehalten. Das war vorhersehbar, denn Sun Ra war beides: weit jenseits der Jazz Tradition seiner Zeit und ihr gleichzeitig weit voraus. Wie Duke Ellington und der Swing Pionier Fletcher Henderson, hat Sun Ra schon früh gelernt, Musikarrangements so zu bearbeiten, dass sie die herausragenden Begabungen seiner einzelnen Arkestra Mitglieder in besonderem Maße herausstellten. Für manche Musiker führt er diese Arbeit der bis zum heutigen Datum fort: für John Gilmore, Marshall Allen, und Julian Priester zum Beispiel, seit sie in den 1950ern zum Arkestra kamen. Gleichzeitig war Sun Ra der erste Jazzmusiker, der mit elektronisch verstärkten Tasteninstrumenten auftrat (bereits 1956) und der erste, der die ganze Bandbreite der kollektiven Improvisation in einer Big Band realisierte. Mit seiner Neigung für Kompositionen, die Reisen ins Weltall thematisierten, nahm er Bands wie Weather Report um gut 15 Jahre vorweg. All das von Jemandem, der sich geweigert hat, die Erde als seinen Heimatplaneten zu bezeichnen und der es statt dessen vorzog, vom Saturn zu kommen. Sun Ra hat es so erklärt, "Ich wollte nie ein Teil des Planeten Erde sein, aber ich bin gezwungen hier zu sein. Also mache ich alles, was ich für diesen Planeten mache, weil der meisterhafte Schöpfer dieses Universums es so von mir verlangt. Ich stamme aus einer anderen Dimension. Ich bin hier auf diesem Planeten, weil mich die Menschen brauchen."

Genauso rätselhaft ist es, dass Sun Ra keine amtliche Geburtsurkunde besitzt. Nach den Angaben der Library of Congress soll er in Alabama, U.S.A. angekommen sein und auf seinem Personalausweis ist zu lesen, dass sein wirklicher Name Le Sony'r Ra ist. Somit sind all die anderen Namen, wie Sonny Lee, Sunni Bhlount, Armand Ra, and H. Sonne Bhlount lediglich Pseudonyme.

In den 40er Jahren war Sun Ra der hauseigene Arrangeur für die Bühnenshows eines berühmten Chicagoer Nachtclubs, den Club DeLisa, und er spielte für die von Fletcher Henderson geleitete Band. Henderson hat Arrangements für das Benny Goodman Orchester und sein eigenes geschrieben und Ra sehr dazu inspiriert, mit dem Schreiben von Arrangements fort zu fahren. In der frühen 50er Jahren setzte Ra seine radikaleren Kompositionen und Arrangement mit eigenen Gruppen um, die exotische Federkostüme trugen und ungewöhnliche Instrumente spielten.

1955, in seiner Chicagoer Zeit, wurde aus Le Sony'r Ra "Le Sun Ra" oder Sun Ra, und er leitete das Solar Arkestra, das wie er unter vielen verschiedenen Namen in Erscheinung trat, wie Myth-Science Arkestra, das Solar Myth Arkestra, und das Omniverse Arkestra. Außer mit den Saxophonisten Gilmore und Allen, hat sich die Band mit einer Vielzahl von Musikern einen Namen gemacht, die einen erheblichen Beitrag zum Jazz geleistet haben, etwa mit dem Bassisten Richard Davis, dem Posaunisten Julian Priester, dem Schlagzeuger Clifford Jarvis, und dem Bläser James Spaulding. Das Arkestra, das zuerst als Hard-Bop Big Band wahrgenommen wurde, spielte von Anfang an in Nachtclubs wie Grand Terrace und Birdland, was schon alleine erstaunlich war, und stand recht bald für freie Improvisation. So hat das Arkestra vor allem die aufstrebenden Avantgarde Jazz Musiker von Chicago maßgeblich beeinflusst, Leute wie Muhal Richard Abrams, Henry Threadgill, und das Art Ensemble of Chicago.

Von Anfang an war die Musik des Arkestras von Sun Ras einzigartiger Philosophie durchdrungen, einer erstaunlichen Hybris aus Raumfahrtzeitalter Science Fiktion und alten Ägyptischen kosmo-religiösen Darstellungen. Diese Philosophie fand ihren visuellen Ausdruck in den farbenprächtigen Kostümen, metallisch wirkenden Umhängen und Astronautenhelmen der Band (das einzige Jazz Orchester, dessen Tourneen von einem Schneider begleitet werden) und in einer Bühnenshow mit für üblicherweise mehreren Tänzern, vielen Gruppen Gesangseinlagen („Wir reisen auf Raumpfaden/von Planet zu Planet") und mindestens einer Einlage, bei der die ganze Band sich in einer Linie den Weg durchs Publikum tanzt.

1960 hat Sun Ra seine irdische Bodenstation nach New York verlegt und lies sich schließlich 1968 in Philadelphia nieder. In beiden Städten, übrigens auch schon in Chicago, lebte und arbeitete die Band als eine Art von Kollektiv zusammen. Der harte Kern der Truppe teilte sämtliche Lebensbereich mit ihrem Anführer und nahm dem Meister gegenüber die Rolle von kosmischen Freunden ein. Während der gesamten 60er Jahre nahm Sun Ra unermüdlich für seine eigene und vergleichsweise schlecht vertriebene Plattenfirma Saturn Records und für verschiedene Europäische Labels auf, unternahm ausgedehnte Tourneen und steigerte so den legendären Ruf seiner Live Auftritte. Obwohl er sie mit seiner erfrischende exzentrische Sichtweise durchsetzte, ist Sun Ra in den vergangenen Jahren immer wieder zur Musik der näheren Vergangenheit zurück gekehrt - die Standards und Jazz Klassiker, mit denen er groß geworden ist.

In einem Interview mit dem Jazziz Magazin erinnert sich Sun Ra, "Weil ich über all diese Dinge wie das Weltall und die Planeten geredet habe, glaubten sie, ich sei irgendwie durchgeknallt. Ich spreche immer noch davon, aber inzwischen geben Regierungen Millionen von Dollar aus, um auf die Venus zu gelangen, den Mars oder andere Planeten. Es ist also nicht mehr verrückt, über das Weltall zu sprechen." Aber für Sun Ra war das nie eine Sache von blanker Quertreiberei. Wenn er von seinem Ursprung auf Saturn erzählt, davon, dass er die Planeten beobachtet, Raumpfade bereist und "ins Weltall geht", dann ist das in Wirklichkeit eine freizügig ausgeschmückte Metapher, so jedenfalls erscheint es jenen, die sich der spirituellen Seite der Dinge nicht bewusst sind. Sun Ra's Musik überwindet die irdischen Beschränkungen, indem sie der Vorstellungskraft Flügel verleiht. Seine Botschaft ist, dass wir alle die Freiheit haben, uns mit ihm auf diesen Flug zu begeben, solange wir nur die Genauigkeit und Disziplin aufbringen, es ihm nachzutun.

Unterschiede

Manchmal sehe und höre ich
mit erstaunlichem Unwissen
Dinge von denen ich nicht wusste,
dass ich sie schon zuvor gehört und gesehen habe.
Manchmal fühle ich
im Unwissen Bedeutung,
unbesiegbare unsichtbare Weisheit,
und dann fahre ich fort mit intuitivem Instinkt,
mit der Kraft die das Leben erschaffen hat.
Und weil sie das Leben erschaffen hat,
ist sie größer als das Leben selbst.
Und weil sie Zerstörung zuließ,
ist sie größer als Zerstörung.
Mit Gefühlen bin ich eher eins, als mit Gebeten.
Weil einem nach nichts mehr verlangt.
Diese Art des Geleits gibt es
und sie ist größer als jede andere.
Manchmal sehen mich
in meinem erstaunlichen Unwissen
die anderen nur so,
wie sie mich gerne sehen möchten.
Dann bin ich für sie so wie sie denken.
Gemessen an der Normalität
sollte ich gar nicht existieren.
Und das ist der Unterschied
zwischen mir und jenen.
Weil ich sie so sehe
wie sie sind zum Sein
und nicht den scheinbare Seinszustand
des Gewesenen

Sun Ra