Marshall receiving the Blue Bird Award 2004 at Muddy's Club, Weinheim

Presseinformation
Marshall Allen und das Sun Ra Arkestra und Jakob Köllhofer, Leiter des Deutsch Amerikanischen Institutes (dai) Heidelberg werden mit dem Blue Bird Award 2004 des Weinheimer Muddys Club für ihr Engagement in Sachen Blues und Jazz geehrt.

Am 1. März wird das Sun Ra Arkestra unter der Leitung von Marshall Allen, der den Blue Bird Award 2004 für sein Lebenswerk erhält, anlässlich der Preisverleihung im Weinheimer Muddys Club ein Konzert mit geballter kosmischer Energie abbrennen. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, die vierzehnköpfige Big Band aus Philadelphia in Clubatmosphäre zu erleben. Jakob Köllhofer, Leiter des dai Heidelberg, erhält einen Blue Bird für seine kulturelle Arbeit, die Jazz und Blues Musik als Ausdruck einer ureigenen Kultur immer wieder in den Blick der Öffentlichkeit gerückt hat.

Seit 1984 verleiht der renommierte Blues- und Jazz Club den Blue Bird Award an Persönlichkeiten, die sich weit über das berufliche Engagement hinaus um Jazz und Blues als Ausdruck von Sozio-Kultur verdient gemacht haben. Musiker wie Billy Cobham, Eddi Palmieri und James Blood Ulmer sind Träger des Blue Bird Award genauso wie Persönlichkeiten, die Jazz und Blues gefördert haben wie Gudrun Endress, Herausgeberin des Jazzpodium, oder Mike Gerke, Jazzclub Hannover. Mit Marshall Allen und dem Sun Ra Arkestra und Jakob Köllhofer werden Persönlichkeiten geehrt, die auf beispiellose Art und Weise die Flamme des Jazz und Blues am Leben gehalten und weitergereicht haben, so Ben Schmidt, künstlerischer Leiter des Muddys Club.

Unter der Leitung des 80jährigen Ausnahme Saxophonisten Marshall Allen hält das Sun Ra Arkestra das Werk seines legendären Bandgründers auch zehn Jahre nach dessen Tod lebendig und entwickelt es konsequent weiter. In 50 Jahren Bandgeschichte hat das Arkestra eine eigene Kultur entwickelt, das musikalische Erbe von Musiker zu Musiker zu tradieren. Beispiellos schreibt das Sun Ra Arkestra so als wichtiger Bestandteil der Jazz-, Blues- und Afro-Amerikanischen Kultur die Tradition der mündlichen Überlieferung fort. Musikern wie John Coltrane war die Musik des Sun Ra Arkestras in den 50er Jahren Quelle der Inspiration. Selbst Rockbands wie Sonic Youth und in jüngster Zeit das Shibusashirazu Orchestra, Tokyos führendes Avantgarde Jazz Ensemble, haben sich vom Geist des Arkestras beseelen lassen.

Geehrt wird auch Jakob Köllhofer, Leiter des dai Heidelberg und Sprecher der Amerika Institute in Deutschland, für sein grenzenloses Engagement im Dienste des freien Geistes. Für Köllhofer gebührt Jazz- und Blues- Musik als Vertreterinnen einer nuancierten Weltsicht eine herausragende Position. Köllhofer hat in den achtziger Jahren, als in Heidelberg kein Jazz mehr auf der Bühne stattfand, die "Gesellschaft für kreative Musik" ins Leben gerufen, aus der später der Heidelberger Jazzclub hervorgegangen ist, und Jazz und Blues damit erfolgreich gegen die kulturelle Monokultur durchgesetzt. Der Öffentlichkeit ein pluralistisches Bild zu vermitteln in Zeiten, in denen zusehends polarisiert wird, ist Köllhofer ein dringliches Anliegen. Dabei hat er nie vergessen, dass der Rationalität einer aufklärerischen Arbeit Grenzen gesetzt sind. Der modernen Hochleistungsgesellschaft setzt Köllhofer Poesie und Kunst als Korrektiv entgegen. Musik ist für ihn der seidene Faden, der die Welt zusammenhält und den Menschen überleben lässt und kein leicht zu konsumierendes Produkt. Kultur ist wie Demokratie niemals ein abgeschlossenes Projekt, sondern muss täglich neu ausgelotet werden. Musik lehrt einen hellhörigen Umgang. Sich derart feinfühlig um die Welt zu kümmern, so Köllhofer, würde er sich von jemandem wie George W. Bush wünschen.

The Arkestra, Jakob Köllhofer and Muddy's Club people