Music for the 21st Century: Live at the Uncool Festival
Sun Ra Arkestra | El Ra


Unter der kompetenten und zupackenden Hand von Marshall Allen setzt das Sun Ra Arkestra, trotz aller Schicksalsschläge seine Arbeit fort, tourt und macht Aufnahmen. Die Band klingt so gut wie eh und je, die Kostümierung und die Kapriolen auf der Bühne sind immer noch ein reines Vergnügen und die meisten Erdlinge haben noch immer nichts davon mitbekommen.

Das Arkestra, eine wirkungsvolle Mischung aus älteren Mitgliedern und relativen Neulingen, schürft im tiefgründigen, fast Ellingtonischen musikalischen Output aus der Feder von Sonny Blount (Sun Ra) selbst und erweitert das Repertoire mit Arbeiten von Marshall Allen und Art Jenkins. Dieser gigantische Werkkomplex deckt eine beeindruckend weite Spannbreite an Stilen und Klängen ab.

Ins erste Set der zweiten Nacht von dreien im Iridium vergangenen Monat, startete das Arkestra mit dem üblichen "Gruß an die Sonne", sang über einen hypnotisierenden und ausufernden Verführungspart hinweg "die Welt wartet auf den Sonnenaufgang", wechselte dann die Richtung und hüpfte in einen lebendigen Swing Ohrwurm namens "The Cosmic Hop," der übrigens genau so klang. Während des gesamten ein-einhalbstündigen Sets konnte man die starke Ader für Hard Bop und Swing vernehmen, die mit wohlklingendem Gesang, freier und gelenkter Improvisation und sogar klassischen Balladen freizügig gemischt wurde.

Mit Ausnahme von Ras Arrangement von "When You Wish Upon a Star", scheint die neueste Veröffentlichung des Arkestras, "Music for the 21st Century" ganz von einer Musik eingenommen, die ich jedenfalls mit den 60er Jahren in Verbindung bringe - sich wiederholende Muster, die den Solis als Vehikel dienen und zu Zwischenspielen mit freier oder gelenkter Improvisation führen, und das alles großzügig gewürzt mit ganz ursprünglichem Jazz und Swing. „Music for the 21st Century" ist gut aufgenommen und ein hervorragender Beleg für den gegenwärtigen Zustand des Arkestras, aber diese CD wird niemals das Live Erlebnis ersetzen können und ich möchte wirklich jedem, der es nicht schon längst getan hat, raten, sich diese Band so schnell wie möglich anzusehen. Duke Ellington starb als ich noch ein junger Mann war und mir war schändlich wenig bewusst, was für einen monumentalen Beitrag er geleistet hatte und das er einen unverrückbaren Platz in der amerikanischen Kultur einnimmt. Auch ohne seinen unnachahmlichen Gründer, bleibt das Arkestra ein lebendiger Bestandteil dieser Kultur, weil das Arkestra Ras großes Werk weiterführt und wachsen lässt. Niemals wieder wird es eine solche Band geben.

Die Besprechung erschien im Original in AllAboutJazz-New York.

Ty Cumbie